Fotoshooting: Hintergrund – wie schön du bist?

Der heutige Blogartikel ist ein Gastbeitrag der lieben Claudia – wer mehr von ihr lesen mag, oder ihre Fotos verfolgen, kann auf ihrem Blog vorbeischauen. 

Ich möchte euch heute eine kleine Geschichte erzählen: Die Geschichte des perfekten Fotos! – So dachte ich zumindest.

Das perfekte Foto

Als ich aus dem Fenster sah, war einfach alles perfekt. Ich musste lächeln, ich konnte es kaum erwarten! Die Sonne schien, die Temperaturen waren angenehm, einfach ein wunderschöner Tag. Auf genau so einen Tag hatten wir die letzten Wochen gewartet. Ich nahm also meine Kamera und machte mich auf den Weg in den Stall.

Es war gerade erst Frühling geworden, der ganze Staub und Schmutz des letzten Winters lag noch auf den Pferden. Das ist auch der Grund dafür, warum wir auf milde Temperaturen gewartet haben. Wir wollten die Pferde zum ersten Mal waschen, sie perfekt in Szene setzen für das Fotoshooting.

Gesagt getan, beide Pferdchen wurden von oben bis unten gewaschen. Den beiden stand schon manchmal die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben? Was? Noch einmal Shampoo? Mein Schweif ist noch nicht weiß genug?

Ja, wir waren übereifrig und den Pferden war schon etwas langweilig. Während wir ein Schaumwölkchen nach dem anderen fabrizierten, standen am Ende zwei wunderschön glänzende Pferdchen vor uns.

So weit, so gut, wir hatten das perfekte Wetter. Wir hatten die perfekt gestylten Pferde… Also ab auf die nächstgelegene Wiese zum Shooting!

Das Shooting

Es war ein wunderschöner Tag und ich war so begeistert, die beiden endlich vor meine Linse zu bekommen. Ich kroch auf allen vieren, lag in der Wiese, stand erhöht und war auf der Suche nach der perfekten Perspektive

Die pferdigen Models gaben ihr Bestes und ich war beim Anblick der Fotos auf meinem kleinen Kamera–Bildschirm überglücklich.

Voll bepackt mit tollen Bildern ging es für mich schön langsam nach Hause und für die Pferde auf die Koppel zu einem ausgelassenen Wälzen. Perfekt geputzte Pferde sind eben keine richtigen Pferde!

Ich machte mich also auf den Heimweg und konnte es kaum erwarten, zu Hause die Fotos zu sichten…

Das böse Erwachen!

Quarter Horse - Grasen - Wiese - Pferd - Hintergrund

Ich setzte mich mit großer Vorfreude vor meinen Computer, kopierte den Inhalt der Speicherkarte und öffnete ein Bild nach dem anderen.

Je mehr Bilder ich mir ansah, umso verzweifelter wurde ich. Du fragst dich jetzt warum? Sieh am besten selbst:

Das sind natürlich die offensichtlichsten Beispiele. Aber bei all der Planung habe ich einen ganz entscheidenden Fehler gemacht:

„Ich habe vergessen, mir Gedanken über den Hintergrund zu machen.“

 

Der Hintergrund – ein wichtiger Bestandteil

Ich habe mich so sehr auf mein Motiv konzentriert, dass ich den Hintergrund nicht mehr sah. Viele von euch werden jetzt vielleicht denken, der Hintergrund wäre Nebensache…

Aber selbst wenn der Hintergrund verschwommen ist, kann er das Bild maßgeblich dominieren.

Ich habe danach viele Stunden damit verbracht, einige Bilder zu retuschieren. Eine sehr aufwendige Arbeit, die natürlich viel bringt. Gut geplant, fallen diese Stunden allerdings weg.

Hier seht ihr das Endergebnis:

Haflinger beim Grasen - retuschiert - photoshop - pferd - Hintergrund - Motiv

Quarter Horse beim Grasen - retuschiert - photoshop - pferd - wiese - halfter , Hintergrund,

Deshalb ganz wichtig: Bedenke auch den Hintergrund bei deinem Shooting!

Wie gehst du am besten vor?

Wenn du also bei dir im Stall fotografierst, dann drehe vorher alleine eine Runde und schau dir das Gelände genau an. Vielleicht gibt es Ecken oder Wände, die dir noch gar nicht aufgefallen sind. Such dir Hintergründe, die dir gefallen oder zu deinem Motiv passen.

Wenn du nicht den richtigen Platz findest, versuch die Dinge, die dir im Weg sind, aktiv in das Bild einfließen zu lassen. Richtig platziert würden die Rohre auf den Bildern nicht stören, sondern eine interessante Bildkomposition ergeben. Aber auch hier gilt: Es ist besser, dies mit Absicht zu platzieren!

Achte bei deinem Rundgang auch auf das Licht! Wann ist der beste Zeitpunkt für dein Bild an der speziellen Wand? Du bist am Wochenende vielleicht zu anderen Zeiten im Stall als unter der Woche. Du kannst den passenden Hintergrund beobachten. Wann wird er direkt von der Sonne bestrahlt, wann nicht…

Wenn du nicht in deinem Stall fotografierst, solltest du dir trotzdem vorher die Zeit nehmen und dich umsehen. Such dir passende Plätze und fotografiere nicht einfach darauf los!

Leider kann natürlich das Licht hier nicht so gut geplant werden. Aber passt das Licht nicht, passt der Lichteinfall nicht, dann ist es auch nicht der richtige Hintergrund.

Was sind gute Hintergründe?

Es hängt natürlich viel davon ab, was dir zur Verfügung steht. Aber ganz grundsätzlich ist natürlich ein Wald oder Gebüsch im Hintergrund sehr schön.

Aber achte immer darauf: Was befindet sich in der Umgebung? Liegt dort irgendwo Holz oder gibt es Pfeiler? All das kann dir ein sonst perfektes Bild zerstören.

Hast du solche Dinge nicht zur Verfügung, reicht oft auch eine einfarbige Mauer, vor der du dein Pferd platzieren kannst.

Bei uns im Stall gibt es zum Beispiel eine rote Backsteinmauer. Ich kann es kaum erwarten, Chicky einmal vor dieser Mauer zu fotografieren, das gibt garantiert einen wunderschönen Kontrast!

Mein persönliches Fazit

Natürlich kannst du mit einer Retusche viel machen, aber du kannst mit ein wenig Planung sehr viel Zeit sparen!

Deshalb steht in letzter Zeit bei mir immer der Hintergrund im Fokus.

Wie sich ein Pferd verhält, ob es eine Grimasse schneidet oder sich schüttelt, kannst du nicht beeinflussen. Du kannst nur dafür sorgen, dass du – wenn es passiert – die bestmöglichen Bedingungen hast, um diese Situation einzufangen.

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Hier stimmt alles – Hintergrund und Motiv! Ich bin den Pferden bis heute dankbar, dass sie sich beim freien Spiel genau vor dem Baum platziert haben und nicht eine Ecke weiter vor dem Misthaufen…;)